Beitrag vom 10 September 2008
DATENGIPFEL Ausgerechnet jene Sicherheitspolitiker, die sich im Kampf gegen den Terror kaum an die Verfassung halten, geben sich jetzt als Datenschützer aus
Datenschützer und Bürgerrechtler reiben sich verdutzt die Augen: Ihr “antiquiert” wirkendes Anliegen ist schlagartig in aller Munde. Selbst jene Politiker und Parteien, die Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung seit Jahren mit Füßen treten, sprechen sich für eine unverletzliche Privatsphäre aus und so mancher Bürger wird kritisch, der bislang einen sorglosen Umgang mit seinen persönlichen Daten pflegte und eigentlich “nichts zu verbergen” hatte. Plötzlich gibt es eine große Koalition von Datenschützern. Was ist passiert?
Wie weiland Nessi aus Loch Ness tauchte im Sommer eine riesige Datenkrake mit schrecklichen Tentakeln auf, die nach unseren höchstpersönlichen Daten grabscht, Bankkonten plündert und uns bis in die Privatsphäre verfolgt. Millionen von erfassten Personendaten - Namen, Adressen, Geburtsdaten, Kontonummern und mehr - führen ein beängstigendes Eigenleben und vagabundieren durch die Gegend, werden aus Melderegistern und Adressdateien kopiert, sind im Internet abrufbar, werden geklaut und auf CD gebrannt, als Ramschware en gros verscherbelt und en detail missbraucht. Und kein Datenschutzgesetz, kein Datenschutzbeauftragter konnte diesen kommerziellen Datenmissbrauch verhindern, der sich zu einem neuen Zweig der Wirtschaftskriminalität entwickelt hat.